Plan-Build-Run gibt's bald nicht mehr!

Ich habe Anfang der Woche einen sehr interessanten Artikel gelesen, bei dem eine Umfrage unter IT-Unternehmen ergeben hat, dass in den kommenden 5 Jahren fast alle IT-Unternehmen von der herkömmlichen plan-build-run Arbeitsweise auf agile Prozesse umstellen wollen. Das heißt, starre Strukturen und lange im Voraus geplante Prozesse werden kleinen beweglichen Einheiten und deutlich flexibleren Arbeitsmodellen weichen. Gleichzeitig sagen aber 85% der Unternehmen, dass sie selber aktuell bei der Einführung agiler Prozesse noch in den Kinderschuhen stecken. Früher wurden Prozesse vorab lange geplant, dann umgesetzt und im Anschluss ans Laufen gebracht. Dadurch ging viel Zeit verloren und wenn der "Zug" erstmal losgefahren war, waren Änderungen an den Anforderungen oder neue Entwicklung nur noch schwer bis gar nicht mehr in den Prozess integrierbar. Da das aber in der heutigen schnelllebigen IT-Welt für viele Unternehmen das sichere Aus bedeuten würde, haben sich alle Unternehmen etwas überlegt, um der heutigen agileren Realität entsprechen zu können. Ich möchte euch hier vor allem ein spannendes Beispiel zeigen, was mein Favorit bei den Agilen Arbeitsmodellen ist.

Spotify! Jeder kennt den digitalen Musikdienst. Hier wird mit Squads und Product Ownern gearbeitet. Diese sollen als "Mini-Startups" eigenständig agieren und berichten an einen Product Owner, der die Themen vorgibt. Dieser Product Owner organisiert auch die wöchentlichen Sitzungen, zu denen alle Mitarbeiter zusammenkommen. Die Sitzungen finden jeweils am Freitagnachmittag statt und ziehen eine Bilanz der vergangenen Woche. Außerdem gibt es noch einen Agile Coach im Unternehmen, der darauf achtet, dass die Regeln eingehalten werden.

Auch bei uns im Team versuchen wir aktuell agile Arbeitsmodelle und Prozesse einzuführen. Hier haben sich allerdings doch einige Fallstricke und Herausforderungen ergeben. So hat sich bei dem Versuch rein nach Scrum zu arbeiten schnell herausgestellt, dass sobald ein externer Faktor wie ein Kunde oder ein Dienstleister mit ins Spiel kommt, alle schöne Theorie hinfällig wird. Denn wie will man seine "Sprints" weitermachen, wenn das Feedback zu einem vorgestellten Kandidatenprofil entgegen der Absprache über Tage oder Wochen nicht kommt? Wir sind von daher genauso wie die meisten unserer Kunden dazu übergegangen, nicht rein nach Scrum, sondern "Scrum angelehnt" zu arbeiten. Das heißt, wir nehmen uns aus dem Baukasten, der agilen Prozesse die Bausteine heraus, die am besten zu uns passen und die wir am besten in unsere Rahmenbedingungen einbinden können.

Meiner Meinung nach werden in der Zukunft immer mehr Unternehmen Bausteine der agilen Arbeitsweise einsetzten. Ich denke aber, dass nur die wenigsten ihre Prozesse komplett umstellen können. Die große Masse wird es sicherlich wie wir machen und ausgewählte Bausteine mit in die bestehenden Prozesse einbauen und so eine Mischung aus der alten und der neuen Arbeitsweise haben.

Da agile Prozesse und deren Umsetzung bei meinen Kunden, gerade im Hochtechnologiebereich der IT, täglich ein Thema und in aller Munde ist, würde ich gerne von Euch wissen, wo seht ihr Euch und Euer Unternehmen bei dem Thema?

Was ist Eure Meinung zu der gesamten agilen Entwicklung?